Hey Kids.
Ich habe vor kurzem einen neuen Job angefangen, wo ich die “Graubärte” ersetzen soll die über die letzten Jahre das Unternehmen verlassen haben. Bin nicht alleine, habe ein Team von scheinbar fähigen Leuten um mich herum. Auf einer technischen Ebene mache ich mir wenig Sorgen dass wir klarkommen werden.
Wir sind aktuell noch in einer weitgehend pre-Cloud-Umgebung unterwegs. Es gibt einen Rechenzentrumsstandort mit eigener Hardware (gemieteter Käfig, im wesentlichen), bei dem alle Branch Offices für zentrale Dienste angeschlossen sind, es gibt aber auch vereinzelte Dienste die in den Branch Offices laufen. DFS-Fileserver für die örtlichen Netzlaufwerke und sowas.
Natürlich läuft das ganze im wesentlichen auf einer Active Directory Domain und Windows-Diensten, OSS habe ich bisher kaum entdeckt.
Ich möchte im wesentlichen irgendwie verhindern dass ich in Zukunft vor einer Azure-Konsole sitzen muss, idealerweise würde ich mir wünschen dass wir als Organisation nicht vom nächsten Schritt des Enshittification Cycles bei MS betroffen sein werden.
Wie würdet ihr vorgehen? Ich würde denken dass was-auch-immer am Ende Erfolg haben kann NextCloud involviert, was aber daran liegen könnte dass mir keine anderen Alternativen bekannt sind, die viel versprechend aussehen.


Ich glaube, drei Punkte sind am wichtigsten:
Sei vorbereitet, wenn du Alternativen vorstellst. Schau vorher, ob die gewünschten Use-Cases abgedeckt sind, wie eure Abläufe in der Praxis aussähen und was man ggf. ändern müsste. Umstellungen machen die Managementebene erfahrungsgemäß immer nervös, da ist es schlecht, wenn du auf eventuelle Nachfragen nur mit „Muss ich mal gucken…“ oder „Ich glaube das müsste gehen…“ antworten kannst, vor allem, wenn‘s am Ende doch nicht geht.
Demonstriere die Alternative. Den Entscheidungsträgern lange Featurelisten zu zeigen, ist schön und gut, aber ihnen zu zeigen, wie gut das Ganze in der Realität funktioniert, ist noch viel besser. Setz dir beispielsweise den Nextcloud All-In-One Container auf und zeige darin, je nachdem was ihr braucht, die Möglichkeiten der Software. Das ist in der Regel nicht viel Arbeit, räumt aber zuverlässig Zweifel aus.
Fokussiere dich darauf, welche Vorteile das Unternehmen durch eine Umstellung hätte. Vermeide übermäßigen Open Source-Enthusiasmus. Besonders wenn du „der Neue“ bist, kann es sonst schnell passieren, dass dir unterstellt wird, dem Unternehmen einfach nur deine Hippie-Open-Source-Agenda aufdrücken zu wollen. Und wenn man erstmal als Open-Source-Hippie abgestempelt ist, wird man das nicht so schnell wieder los, egal wie gut die eigenen Argumente sind. Du solltest natürlich Vorteile von OSS nicht verschweigen, das Management freut sich immer, wenn etwas gratis ist. Aber klinge nicht wie ein Prophet, der den armen Sündern das Licht zeigt.