Hallo liebe Eisenbahn-Interessierte, die Digitalisierung schreitet auch bei der Bahn voran. Heute möchte ich euch von der neusten Entwicklung berichten.

Die letzte Rückfallebene, um den Eisenbahnverkehr im Störungsfall aufrecht zu erhalten, ist der schriftliche Befehl. Damit kann der Fahrdienstleiter (Fdl) dem Lokführer (Tf) anweisen bestimmte betriebliche Handlungen auszuführen. Klassische Beispiele wären zum Beispiel ‘auf Sicht’ zu fahren, einen Bahnübergang selber zu sichern, an einen ‘Halt’ zeigendem oder gestörten Signal vorbei zu fahren oder eine bestimmte Geschwindigkeit einzuhalten, um mal die häufigsten zu nennen. Natürlich gibt es noch viel mehr Sachen, aber das würde den Rahmen sprengen.

Der bisherige Ablauf um einen schriftlichen Befehl zu übermitteln läuft so ab:

  • Der Fdl holt einen leeren Befehlsvordruck heraus und ruft den Tf an und teilt ihm mit, dass er einen Befehl erhält.
  • Der Tf holt dann ebenfalls einen leeren Befehlsvordruck heraus und meldet seinen genauen Standort.
  • Der Standort wird im Kopf des Befehls mit der Zugnummer und weiteren Angaben vermerkt.
  • Dann diktiert der Fdl chronologisch alle nötigen Anweisungen. Diese werden vom Fdl und Tf auf dem Befehl notiert.
  • Anschließend wiederholt der Tf alles und wenn alles korrekt ist, bestätigt der Fdl mit ‘Richtig’.
  • Dann übermittelt der Fdl die aktuelle Uhrzeit und Datum und bestätigt, dass der Befehl jetzt gültig ist.

Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass dieses Verfahren umständlich und zeitaufwendig ist, auch kommt es hin und wieder zu gewissen Sprachschwierigkeiten, wenn Tfs aus anderen Ländern in Deutschland unterwegs sind. Diese müssen zwar ein bestimmtes Level an Deutschkenntnissen beherrschen, aber manchmal verzweifelt man schon^^

Seit letztem Jahr lief auf einigen Strecken der Probebetrieb für einen ‘Digitalen Befehl’ und wird seit diesem Jahr Schrittweise ausgerollt. Ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2026 sollen alle Fdl und Tf eine Schulung erhalten haben. Ich hatte meine heute💪 und was soll ich sagen, es ist eine ungemeine Erleichterung und Zeitersparnis. Ich kann den Befehl jetzt am Dienst PC vorbereiten und an den entsprechenden Zug senden. Der Tf muss nur noch seinen Standort auf seinen Dienst Tablett eintragen, ich überprüfe ob der Standort logisch ist und bestätigte dies mit einen Mausklick, dann bestätigt der Tf auf dem Dienst Tablett den Erhalt des Befehls und das wars. Da der neue Befehl in Europa standardisiert wurde, wird er auch automatisch in andere Sprachen übersetzt. Außerdem kann man für häufige Störungen Vorlagen erstellen.

Während das alte mündliche Verfahren gerne mal 10 Minuten und länger benötigte, ist das neue digitale Verfahren in wenigen Minuten erledigt. Ich persönlich denke, dass das den Betrieb im Störungsfall ordentlich beschleunigt. Vielen Dank fürs lesen. Euer Eisenbahner mit Herz im Fediverse.

  • ladicius
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    1 month ago

    Das alte Verfahren klingt sehr, sehr, sehr nervig. Freue mich, dass sich das nun ändert 👍

    • Ephera@lemmy.ml
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      1 month ago

      Ich musste ein bisschen lachen, als es hieß, dass der Tf angerufen wird, nicht um ihm den Befehl zu sagen, nein nein, sondern um ihm mitzuteilen, dass er gleich einen Befehl erhält. Das klingt einfach schon, als würde das ein längerer Prozess. 😅

      (Macht jetzt schon Sinn, dass man das wahrscheinlich gemacht hat, um zu protokollieren und Missverständnisse auszuschließen, aber trotzdem sehr aufwendig.)