Stacy schlendert gedankenverloren durch die Stadt, die ihr plötzlich viel größer vorkommt, als noch vor fast einem Jahr, als sie noch hier gewohnt hat. Vieles hat sich verändert. An der Städter-Ecke, wo sonst ein kleines Backstübchen stand, bei dem sie stets ihren Kakao gekauft hat, steht jetzt ein gläserner Starbucks, so groß, dass er fast die halbe Straße frisst. Fremd, fast feindlich. Aber Kakao ist Kakao, also zieht sie die Tür auf.

Drinnen ist die Hölle los: eine Schlange, die kein Ende nimmt. Immerhin reicht die Zeit, um nebenbei eine schnelle Kleid-Idee in ihr Skizzenbuch zu kritzeln.Endlich steht sie vorne. Hinter der Kasse steht ein braunhaariger Typ mit einem Namensschild auf dem “Gabriel” steht und einem schiefen Grinsen.

“Und was darf es für dich sein? Ein Iced Caramel Macchiato?”
Stacy verzieht das Gesicht. The fuck?
“Kakao.”
“Pumpkin Spice Hot Chocolate?”
“Kakao.”
“Hot Chocolate?”
“Kakao.”
“Also eine Hot Chocolate.”
Er zwinkert. Sie zuckt nur die Schultern.

“Zum Mitnehmen oder hier trinken?”
Stacy wirft einen Blick in den Laden. Studenten mit MacBooks, die alle so tun, als würden sie lernen, aber in Wahrheit nur Insta-Storys posten.
“Mitnehmen.”
“Und dein Name?”
Sie zieht eine Braue hoch, liest nochmal sein Namensschild.
“Wieso willst du das wissen, Gabriel?”
“Es heißt Gay-bree-el.”
“Was?!”
“Mein Name ist Gay-bree-el.”
“Okaaaay?! Und was ist jetzt mit meinem Kakao, GAYbriel?”
“Was ist jetzt mit deinem Namen, Fremde?”
“Warum willst du den überhaupt wissen?”
“Der kommt auf den Becher. Warst du noch nie bei Starbucks?”
“Aha. Dann Stacy.”
“Okay, Stacy. Ich ruf dich, wenn deine Hot Chocolate fertig ist.”
“Kakao.”

Er tippt irgendwas in die Kasse, die zu hohe Zahl blinkt auf dem Display. Stacy rollt mit den Augen, zieht ihr Handy raus und hält es an das Kartenlesegerät. Sie tritt zur Seite, lehnt sich gegen die Glasfront und zeichnet weiter, diesmal kniehohe Stiefel zum Kleid. Minuten später hört sie ihren Namen, geht zurück und sieht Gabriel mit ihrem Becher.

“Hier deine Hot Chocolate. Hab einen schönen Tag, Stacy!”
“Ja, du auch, GAYbriel.”

Stacy dreht sich um und geht. Draußen hebt sie den Becher an, will ihn gerade für ein Foto positionieren und an Vanja schicken, als ihr auffällt, dass da eine Handynummer draufgeschrieben ist. Sie dreht sich blitzschnell zurück zum Starbucks, erwischt noch Gabriels Blick, bevor er auffällig unauffällig wegsieht und so tut, als würde er arbeiten.

“Cringe!!” murmelt sie, macht ein Foto und schickt es an Vanja mit der Nachricht: Es hat sich gerade voll das Opfer an mich rangemacht?! #Cringe!!